Nachhaltigkeitsberichterstattung im Wandel

Trotz Omnibus und Unsicherheit: Warum deutsche Unternehmen weiter berichten und was der Sustainability Transformation Monitor 2026 darüber verrät.

19. März 2026 | Johanna Grimm

Was ist der STM?

Der Sustainability Transformation Monitor (STM) erfasst jährlich den Stand der Nachhaltigkeitstransformation in der deutschen Real- und Finanzwirtschaft (befragt wurden Verantwortliche für Nachhaltigkeitsthemen aus der Real- und Finanzwirtschaft. Insgesamt wurden die Angaben von 822 Organisationen in der Auswertung berücksichtigt). Herausgeber sind die Bertelsmann Stiftung, die Stiftung Mercator, die Universität Hamburg und die Peer School for Sustainable Development. Als Langzeitstudie angelegt, ermöglicht der STM regelmäßig aktuelle Erkenntnisgewinne zu Entwicklungen und Transformationsfortschritten. Das Kapitel zur Nachhaltigkeitsberichterstattung des STM26 fassen wir im Folgenden zusammen und ordnen es aus DNK-Perspektive ein.

Der regulatorische Hintergrund

2022 weitete die EU mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) die Berichtspflichten deutlich aus. Dann verschoben sich die politischen Prioritäten. Das Ergebnis ist das Omnibus-I-Paket: Berichtspflichten bleiben, sind aber zeitlich verschoben, inhaltlich gestrafft und auf einen kleineren Anwendungsbereich bezogen. Ab 2027 sind nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Millionen Euro Jahresumsatz verpflichtet zu berichten. Zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2025 standen die neuen Berichtsgrenzen noch nicht fest.

Was zeigt der STM26? Nachhaltigkeitsberichterstattung – auch ohne Pflicht

75 % der nicht mehr CSRD-pflichtigen Unternehmen planen einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Fast die Hälfte davon zum ersten Mal. Die CSRD hat Strukturen und Ressourcen angestoßen, auf die Unternehmen jetzt zurückgreifen können. Auch der Markt in Gestalt von Geschäftspartner*innen, Banken und Investor*innen fordert zunehmend Nachhaltigkeitsinformationen, und das unabhängig von der Regulierung.

Rund 70 % der weiterhin und ehemals berichtspflichtigen Unternehmen berichten von verlangsamten Prozessen oder einem gesunkenen Ambitionsniveau. Die Ergebnisse zeigen, dass das Omnibus-Verfahren viele Unternehmen verunsichert hat. Dies hat die Berichterstattungsabsichten entsprechend beeinflusst, aber nicht gestoppt.

VSME: Der Standard für die Lieferkette

Die Wahl künftiger Berichtsstandards folgt einer klaren Logik: Kleinere Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitenden bevorzugen den Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME; 60 %), größere mit über 1.000 Mitarbeitenden die European Sustainability Reporting Standards (ESRS; 72 %). Die Global Reporting Initiative (GRI) und der alte DNK-Standard werden hingegen über alle Größenklassen weniger genutzt (die Abfrage nach den genutzten Standards bezog sich auf die alte DNK-Erklärung nach dem ursprünglichen DNK-Berichtsstandard. Seit 2025 bieten wir statt des ursprünglichen Berichtsstandards ein kostenfreies, digitales Tool, das die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten nach CSRD und VSME erleichtert). Der VSME gewinnt an Bedeutung – nicht nur als Berichtsformat für kleine Unternehmen, sondern vor allem als Grundlage für Lieferketteninformationen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Trend dahin geht, die standardisierten europäischen Vorgaben anzuwenden. Dies ist sowohl für Unternehmen als auch für den Finanzmarkt wichtig, denn so werden Nachhaltigkeitsinformationen vergleichbar und bewertbar. Dem schließt sich der DNK an: Seit 2025 integriert er die EU-Standards und ermöglicht die kostenfreie Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten nach ESRS und VSME. Eine DNK-Erklärung nach dem ursprünglichen DNK-Berichtsstandard kann nur noch für das Berichtsjahr 2025 auf der alten Datenbank erstellt werden.“

Victoria Diekkamp-Reimann | Projektleiterin Deutscher Nachhaltigkeitskodex | März 2026

Gut vorbereitet – Hemmnisse sinken, Komplexität bleibt

59 % der künftig CSRD-pflichtigen Unternehmen schätzen sich als gut bis sehr gut auf die Berichtspflicht vorbereitet ein. Sie haben Budgets und Verantwortlichkeiten definiert, die Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt sowie Prozesse zur Datensammlung und Berichterstattung aufgesetzt. Das sind 7 % mehr als noch im Vorjahr. Auch unter ehemals berichtspflichtigen Unternehmen sehen sich 49 % gut aufgestellt. Wer nach VSME berichten will, ist mehrheitlich vorbereitet. Zusätzlich gehen die wahrgenommenen Hemmnisse beim Berichten zurück. Das meistgenannte Hemmnis bleibt die wahrgenommene Komplexität – sie sank im Vorjahresvergleich dennoch um 16 %. Unternehmen haben Erfahrungen gesammelt, der Stop-the-Clock-Mechanismus entlastet, reduzierte Berichtsstandards werden entwickelt.

„Wer jetzt weitermacht, ist im Vorteil. Komplexität abzubauen und bei der Vorbereitung zu helfen, sind zentrale Ziele des DNK-Angebots. Wir haben die Standards in vereinfachter Sprache und Struktur sowie mit ergänzten diversen Hilfestellungen aufbereitet. Unser DNK Sustainability Campus bietet darüber hinausgehende Unterstützung. Und mit dem DNK-Plausibilitätscheck geben wir individuelles Feedback zu Ihrem Bericht.“

Stephanie Kopp | Leiterin Berichtskonzept & VSME-Check | März 2026

Aufwand oder Nutzen?

Bei den ESRS überwiegt für 48 % der Teilnehmenden der Aufwand. Nur 30 % sehen in erster Linie den Nutzen. Beim VSME verhält es sich anders: Für 51 % überwiegt der Nutzen, für nur 23 % der Aufwand. Wichtig dabei: Viele Unternehmen haben noch keine eigene VSME-Erfahrung. Ihre positivere Einschätzung beruht auf Erwartungen, nicht auf gelebter Praxis. Im Jahresvergleich fällt die ESRS-Bewertung leicht negativer aus, reale Erfahrungen lösen frühere Erwartungen ab. Als größter Nutzen beider Standards gilt: mehr Transparenz für Stakeholder, ein Steuerungs- und Wettbewerbsvorteil sowie bessere Datenzusammenführung.

„Wir wollen den Mehrwert für Unternehmen weiter steigern. Unsere Idee: Nachhaltigkeitsdaten einmal erfassen und für unterschiedliche Regulierungen und Anforderungen nutzen – gemäß dem Once-Only-Prinzip. Ein erster konkreter Anwendungsfall ist die in Planung befindliche Schnittstelle zu Banken und Versicherungen, die einen standardisierten, digitalen ESG-Datentransfer ermöglichen soll.“

Florian Harrlandt | Leiter Grundsatzfragen & DNK-Plattform | März 2026

Fazit: Weitermachen lohnt sich

Die Kernergebnisse des STM26 sind klarer, als die Rahmenbedingungen vermuten lassen: Unternehmen berichten weiter – freiwillig, aber auch, weil der Marktdruck bleibt. Hemmnisse sinken und die Datenverfügbarkeit steigt. Das Omnibus-Verfahren hat viele Prozesse verlangsamt, gestoppt hat es sie nicht. 

Die STM-Daten zeigen deutlich: Die Nachhaltigkeitsberichterstattung zahlt sich aus – als strategisches Instrument, als Signal am Markt, als Grundlage für Finanzierungen. Wer die ESRS als strategisches Instrument und nicht als reine Verpflichtung sieht, verbessert die Unternehmenssteuerung und Risikoüberwachung. Wer als ehemals berichtspflichtiges Unternehmen jetzt auf den VSME setzt, ist vorbereitet, etwa auf Anfragen von Geschäftspartner:innen, Banken und der Lieferkette. Und die Finanzwirtschaft? Großbanken bewerten ESRS und VSME ähnlich hoch. Kleinere Finanzinstitute setzen stärker auf den VSME.

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