Nachhaltigkeitsberichterstattung: EU-weite Digitalplattform soll VSME-Reporting vereinfachen

Deutsche Verbände fordern eine einheitliche digitale Lösung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in mittelständischen Unternehmen – für mehr Vergleichbarkeit und weniger Doppelarbeit.

26. März 2026 | Eva Genzmer

Letter of Intent: Möglichst einfache Nachhaltigkeitsberichte im Mittelstand

Zwölf Verbände, wie unter anderem der Maschinenbau-Verband VDMA, setzen sich für eine standardisierte, digital unterstützte Lösung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) ein. In einem Letter of Intent mit dem Titel „Establishing an EU-wide digital solution for standardized sustainability reporting“ wenden sie sich an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG). Ihr Ziel ist es, die Umsetzung des freiwilligen EU-Berichtsstandards Voluntary Sustainability Reporting Standard for Small and Medium-sized Enterprises (VSME) für Unternehmen so praktikabel wie möglich zu gestalten.

Risiko: Parallele Unterstützungsansätze in der EU

Der VSME hilft Unternehmen, steigende Anforderungen aus Lieferketten sowie von Banken und Geschäftspartner*innen zu erfüllen. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Standard allein reicht nicht aus. Ohne eine abgestimmte digitale Unterstützungsstruktur auf EU-Ebene besteht das Risiko, dass sich verschiedene nationale Ansätze parallel entwickeln. Diese erschweren einen effizienten Datenfluss im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance: ESG) im EU-Binnenmarkt. Eine gemeinsame digitale Infrastruktur schafft eine einheitliche Plattform für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und ermöglicht es Unternehmen, ihre VSME-Daten nur einmal erheben zu müssen und dann vielfach nutzen zu können.

Lösungsansatz: Ein One-Stop-Shop für die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die vorgeschlagene EU-Plattform soll als zentraler Ort für Berichtsanforderungen im Bereich Nachhaltigkeit dienen. Ansätze dafür sind bereits heute vorhanden: Mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) besteht eine etablierte Plattform, über die Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichte digital erstellen, verwalten und weitergeben können. Eine EU-weite Lösung könnte auf solchen bestehenden Systemen aufbauen und sie weiterentwickeln. Ziel ist eine Plattform, die standardisierte Berichte, die zentrale Speicherung und die Weitergabe von ESG-Daten ermöglicht sowie gleichzeitig nationale Anpassungen berücksichtigt.

Praktischer Nutzen für KMU: Nachhaltigkeitsberichte effizient erstellen

Eine einheitliche Plattform kann den Reporting-Aufwand deutlich reduzieren und die Qualität der Daten verbessern. Gleichzeitig wird die Kommunikation mit Banken und Geschäftspartner*innen einfacher, da Informationen standardisiert bereitstehen. Ergänzend schafft eine zentrale VSME-Datenbank eine Basis für die Bereitstellung und Nutzung von ESG-Daten. Unternehmen können ihre Informationen strukturiert hinterlegen und bei Bedarf gezielt teilen.

Die Vorteile einer einheitlichen Digitalplattform im Überblick:

  • Daten werden einmal erfasst und mehrfach genutzt.
  • Rückfragen externer Stakeholder lassen sich schneller beantworten.

Blaupause DNK: Bestehende Reporting-Lösung nutzen

Die geplante EU-Lösung soll auf etablierten Systemen wie etwa der DNK-Plattform aufbauen. Diese gehört zu den am weitesten entwickelten öffentlich unterstützten Reportingtools in Europa. Über 4.700 Unternehmen nutzen sie bereits für ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung. Im Letter of Intent heißt es dazu: „Die Einbindung des digitalen Berichtstools und der Datenbank des DNK in einen gemeinsamen EU-Rahmen würde es der Europäischen Union ermöglichen, bestehende öffentliche Investitionen und Fachkenntnisse zu nutzen, Doppelarbeit zu vermeiden und die einheitliche Umsetzung des VSME in allen Mitgliedstaaten durch EU-Kofinanzierung zu beschleunigen.“ Vorgeschlagen wird eine gemeinsame europäische Plattformarchitektur mit einheitlichen Grundprinzipien, die an länderspezifische Anforderungen angepasst werden kann.

BMWE prinzipiell aufgeschlossen

Die Verbände signalisieren ihre Bereitschaft, an einer solchen Lösung mitzuwirken – mit dem Ziel, die Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU als strategischen Vorteil nutzbar zu machen. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) steht einer EU-weiten Plattform grundsätzlich offen gegenüber. Voraussetzung ist, dass sie klare Vorteile gegenüber bestehenden nationalen Angeboten schafft und Synergien nutzt. Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im BMWE und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand, betonte beim Launch-Event des VSME-Moduls des DNK im März 2026: Um die Akzeptanz der Maßnahmen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern zu können, dürfe die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen nicht mit zu viel Bürokratie einhergehen.


„Der DNK – und deswegen stehen wir auch als BMWE hinter dem DNK – übersetzt den Geist von Carlowitz in unsere Zeit. Und zwar machbar, nicht überfordernd. Sodass wir Klarheit haben statt Kleingedrucktem. Struktur statt Bürokratiedschungel. Orientierung statt Überforderung (...). Hier leistet das DNK-Projekt wirklich großartige Arbeit.“

Gitta Connemann | Parlamentarische Staatssekretärin im BMWE und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand, | März 2026

Lesen Sie mehr zum Letter of Intent im Artikel des VDMA.

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