Einmal berichten, mehrfach nutzen: Die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Warum Once-Only entscheidend sein wird und wie wir die Vision von der DNK-Plattform als One-Stop-Shop angehen wollen.

13. Januar 2026 | Yasmina Alaoui

2026 als Stresstest für die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung steht auch 2026 im Zeichen des Wandels. Während neue regulatorische Impulse wie CSRD, VSME und das Omnibus-Paket auf Entlastung und Vereinfachung zielen, stehen viele Unternehmen weiterhin vor einer zentralen Frage: Wie lassen sich bestehende und neue Berichtsanforderungen effizient, konsistent und praxisnah umsetzen? Die Herausforderungen liegen dabei weniger in einzelnen Berichtspflichten als in der mangelnden Verzahnung der Anforderungen. Kohärenz, Effizienz und eine bessere Nutzung vorhandener Nachhaltigkeitsdaten rücken damit stärker in den Fokus.

Omnibus bringt Entlastung – lässt aber zentrale Fragen offen

Mit dem Omnibus-Paket reagiert die EU auf Kritik aus der Praxis. Fristen werden angepasst und Berichtsanforderungen an Unternehmen werden überarbeitet. Das schafft kurzfristig Entlastung, gleichzeitig bleiben jedoch zentrale Fragen offen. Wie greifen CSRD, VSME und weitere Regulierungen mit Berichtsanforderungen (wie z. B. EUDR) künftig ineinander? Welche Daten werden benötigt und in welcher Form? Für viele Unternehmen bleibt die regulatorische Landschaft unübersichtlich. Die erhoffte Vereinfachung ist bislang nur teilweise spürbar.

Regulatorische Kohärenz bleibt die größte Baustelle

Auch nach Omnibus bleibt die mangelnde Kohärenz der Nachhaltigkeitsberichterstattung ein relevantes Thema. Unterschiedliche Anforderungen bestehen nebeneinander. Daten werden mehrfach abgefragt, Formate sind nicht einheitlich. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen damit vor einem hohen organisatorischen Aufwand. Effizienzgewinne bleiben begrenzt – obwohl inhaltlich oft ähnliche Informationen verlangt werden.

Once-Only wird 2026 zum entscheidenden Effizienzhebel

Vor diesem Hintergrund sehen wir das Once-Only-Prinzip als einen der zentralen Trends für 2026. Nachhaltigkeitsdaten sollten einmal erhoben und anschließend für verschiedene Zwecke nutzbar sein. Dazu zählen die Berichterstattung nach CSRD und VSME ebenso wie Anforderungen aus dem Finanzsektor. Das mehrfache Nutzen einmal erhobener Daten reduziert nicht nur Aufwände, sondern erhöht auch die Konsistenz und Qualität der Daten. Das schafft die Grundlage für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung, die nicht redundante Prozesse produziert, sondern echten Mehrwert liefert.

Der DNK auf dem Weg zum One-Stop-Shop

Aus unserer Sicht braucht Nachhaltigkeitsberichterstattung 2026 einen strukturellen Perspektivwechsel: weg vom isolierten Bericht, hin zu einem System, in dem Daten strategisch genutzt werden können. Hierbei kann die DNK-Plattform eine zentrale Rolle spielen, indem einmal erhobene und aufbereitete Daten für unterschiedliche Regulierungen oder externe Abfragen genutzt werden können. So könnten mithilfe der DNK-Berichtsanforderungen gebündelt, Daten strukturiert verfügbar gemacht und Aufwand im Unternehmen reduziert werden.

Finanzmarktschnittstelle: ESG-Daten sicher und standardisiert mit Banken teilen

Ein erster konkreter Anwendungsfall ist die Nutzung von ESG-Daten für Bankenanforderungen. Derzeit ist der Aufwand für Unternehmen hoch, insbesondere bei Kreditanträgen. Banken stellen individuelle ESG-Abfragen, die häufig ähnliche Inhalte haben, aber unterschiedlich strukturiert sind. Unternehmen müssen ihre Daten bisher wiederholt aufbereiten und bereitstellen.
Hier setzt der DNK gezielt an. Aktuell entwickeln wir eine Finanzmarktschnittstelle, die den sicheren und standardisierten Transfer von ESG-Daten aus dem Mittelstand über die DNK-Plattform an den Finanzsektor ermöglicht. Grundlage sind bereits vorhandene Nachhaltigkeitsdaten aus der Berichterstattung nach CSRD und VSME. Unternehmen können so einmal erhobene Informationen mehrfach nutzen und Banken erhalten vergleichbare, belastbare ESG-Daten. 

Unser Anspruch ist es, dass Unternehmen, die mit dem DNK arbeiten, Nachhaltigkeitsdaten nur einmal erfassen müssen und diese dann für unterschiedliche Anforderungen nutzen können. Davon profitieren sowohl Unternehmen als auch Banken und Versicherungen.“

Florian Harrlandt
Leiter Grundsatzfragen Nachhaltigkeit & DNK-Plattform | Deutscher Nachhaltigkeitskodex | Januar 2026

Mehrwert für Unternehmen und Finanzmarkt klar erkennbar

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Aufwand für Unternehmen sinkt deutlich, da Mehrfachabfragen entfallen. Standardisierte Datenformate erhöhen zudem die Vergleichbarkeit. Die DNK-Plattform ist weit verbreitet und kann flexibel auf immer mehr Unternehmen und Anforderungen ausgeweitet werden. Gleichzeitig verbessert sich die Qualität der ESG-Daten für Banken und Investoren.  

Wie geht es weiter?

Die technische Umsetzung und Pilotierung der Finanzmarktschnittstelle ist ab Mitte 2026 geplant. Im Rahmen der Pilotierung wollen wir gemeinsam mit Unternehmen und Partner*innen aus dem Finanzsektor prüfen wir, wie gut die Lösung technisch funktioniert und sich in der Praxis anwenden lässt. Auf dieser Basis entwickeln wir die Lösung weiter. 
Die regulatorische Landschaft bleibt anspruchsvoll. Gleichzeitig gewinnen Effizienz, Harmonisierung und digitale Schnittstellen an Bedeutung. Wir gestalten diesen Prozess aktiv mit – für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung, die praktikabel ist und echten Mehrwert schafft.