04.06.2014 | DNK-Meldung

Der deutsche Nachhaltigkeitskodex auf dem Prüfstand

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) wird den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) zweieinhalb Jahre nach seiner Einführung aktualisieren. Rund 60 nationale und internationale Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden, Politik, Beratung und Wissenschaft diskutierten jetzt den Entwurf zur Aktualisierung des Transparenzinstruments in der Deutschen Börse in Eschborn. Die Änderungen sind redaktioneller Art und machen den gewollten Inhalt klarer und den DNK leichter anwendbar. Inhaltlich bleiben die Kriterien größtenteils unverändert.

Anlass für die Aktualisierung ist die Änderung von im DNK angewandten Bezugsgrößen: Die Global Reporting Initiative, eine der zwei Bezugsgrößen im DNK, hat ihre Leitlinien fortgeschrieben von G 3.1 auf G 4.

„Das Akzeptanzniveau des DNK ist noch ausbaufähig“, sagte Christian Strenger, Mitglied des Aufsichtsrats der DWS Investment GmbH und Mitglied der Regierungskommission zum Deutschen Corporate Governance Kodex, in seinem Eingangsstatement. „Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise eine stärkere europäische Harmonisierung der Vorgaben für Nachhaltigkeit insbesondere durch die großen europäischen Kernländer wie Frankreich und Großbritannien, die Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Erweiterung des Wirtschaftsprüfer-Testats sowie eine stärkere Einbindung der Politik, die eine Zunahme an Entsprechenserklärungen zum DNK von Beteiligungsunternehmen forcieren muss.“, so Strenger.

Erste Kontakte mit europäischen Ländern wurden bereits geknüpft. Im Herbst letzten Jahres hat der RNE eine Kooperation mit der griechischen Non-Profit-Organisation QualityNet Foundation mit dem Ziel geschlossen, den DNK als “Sustainability Code derived from the German Sustainability Code“ in Griechenland sowie im Balkanraum bekannt zu machen. Auch in Frankreich stößt der DNK auf großes Interesse. „Die Ähnlichkeit der Ansätze unserer beiden Länder in Bezug auf Nachhaltigkeitsberichterstattung sind eine gute Grundlage für eine weitergehende Kooperation“, betonte Martin Boekstiegel, Vertreter der französischen Corporate Social Responsibility-Plattform. „Insbesondere gilt dies im Hinblick auf die neue europäische Richtlinie und die Frage, wie wir aus dieser Gelegenheit eine wichtige Wegmarke der Verbreitung von Praktiken gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen in Europa machen können“.

Für viel Diskussionsstoff sorgte die Frage nach den Nutzern der Informationen, den Anwendern und der Verbreitung des DNK. „Um hier Klarheit zu schaffen, sollte man neben der Entsprechenserklärung eine ‚Nutzererklärung‘ einführen“, schlug Thorsten Pinkepank, Director Corporate Sustainability Relations bei BASF SE und Leiter der econsense Projektgruppe reporting & rating, vor. „Eine solche Erklärung - zum Beispiel von Investoren oder Analysten - könnte einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung des DNK leisten, da sie einen Mehrwert des DNK verdeutlichen würde.“ Als weitere Möglichkeit der Verbreitung nannte Alexander Bassen, RNE-Mitglied und Professor an der Universität Hamburg, die Kooperation mit Verbänden und erwähnte beispielhaft die bereits geschlossenen Vereinbarungen zwischen dem RNE und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sowie dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. und der Arbeitsgemeinschaft großer Wohnungsunternehmen (AGW).

Kontrovers diskutiert wurde der vorgeschlagene Wegfall der Kurzerklärung zum DNK. Die Kurzerklärung schafft nach Meinung des Rates für Nachhaltige Entwicklung in ihrer jetzigen Form nur wenig Transparenz. Darüber hinaus ist der höchste Berichtsstandard GRI 3.1 A (+), an den die Kurzerklärung gekoppelt ist, nicht inhaltsgleich mit dem neuen und höchsten Standard nach GRI 4 („In Übereinstimmung – Umfassend“). Insbesondere die anwesenden Kapitalmarktunternehmen kritisierten die vorgeschlagene Änderung, da der Wegfall den Mehrwert des DNK deutlich schmälern würde. Dagegen sahen viele Teilnehmer vor allem für den Mittelstand einen gesteigerten Nutzen, da er eine gute Einstiegshilfe in die Nachhaltigkeitsberichterstattung darstelle.

„Die Anzahl an Nutzern von Nachhaltigkeitsinformationen steigt, Anleger legen einen immer größeren Wert auf Nachhaltigkeit. Unternehmen sollten also unabhängig von Ihrer Größe auf jeden Fall berichten“, appellierte Susana Peñarrubia, Senior Investment Managerin von der Deutschen Asset & Wealth Management am Ende der Veranstaltung. Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des RNE ergänzte: „Die Aktualisierung des DNK setzt hier an. Durch sie soll den Unternehmen die Berichterstattung erleichtert und der Mehrwert verdeutlicht werden.“ Er schloss die Veranstaltung mit der Ankündigung, dass die Anregungen und Kommentare der Dialogteilnehmer von der Geschäftsstelle des Rates bis Anfang Juni eingearbeitet, den Teilnehmern zugesandt und darauf dem RNE zum Beschluss vorgelegt werden.

Bisher haben 68 Unternehmen eine Entsprechenserklärung zum DNK abgegeben. Die Unternehmen setzen sich aus 35 Aktiengesellschaften, 21 Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung, 11 familiengeführten/mittelständischen Unternehmen und einer Forschungsinstitution zusammen. Die jüngsten Neuzugänge sind die Berliner Wasserbetriebe, die Kreissparkasse Heinsberg und der Versandhandel memo AG.


Weitere Informationen:

DNK-Datenbank
Fotos der Veranstaltung
Wohnungswirtschaftliche branchenspezifische Ergänzung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (PDF)