12.04.2023 | RNE-Meldung

Deutscher Nachhaltigkeitskodex knackt die 1.000-Marke

Europas Unternehmen werden nachhaltig – zumindest will die EU mit der Corporate Sustainability Reporting Directive mehr Nachhaltigkeit in die Wirtschaft bringen. Die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen, die sie jedoch mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) überwinden können. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Transparenzstandards?

Im Januar 2023 hat die EU die Corporate Sustainability Reporting Direktive (CSRD) angenommen und weitet damit sukzessive den Kreis der Unternehmen aus, die zukünftig verpflichtend zu ihrer Nachhaltigkeitsperformance berichten müssen. Allein in Deutschland sind 15.000 Unternehmen direkt von der Ausweitung der Berichtspflicht betroffen. „Indirekt betrifft das aber viel mehr Unternehmen, denn die größeren, berichtspflichtigen Unternehmen werden Informationen von Zulieferbetrieben und Geschäftspartner*innen benötigen, um eigene Angaben machen zu können“, betonen Stephanie Kopp und Florian Harrlandt, Koordinator*innen des Deutschen Nachhaltigkeitsindex (DNK) beim Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Auch wenn die ersten Unternehmen erst im Jahr 2025 über das Geschäftsjahr 2024 berichten müssen, sollten Unternehmen nicht warten, sondern sich besser jetzt vorbereiten. 
 
Niedrigschwellig und kostenlos
 
Mit dem DNK steht den Unternehmen dafür ein bewährtes und kostenloses Instrument zur Verfügung. „Der DNK ist ein etablierter Standard zur strukturierten Offenlegung unternehmerischer Nachhaltigkeitsleistungen. Die vielfältigen Angebote des DNK-Büros sind für Einsteiger*innen und für in der Berichterstattung erfahrene Unternehmen gleichermaßen hilfreich“, sagt Dr. Alexander Bassen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, ehemaliges RNE-Mitglied und wissenschaftlicher Pate des DNK. Bereits 1.000 Anwender greifen auf das Angebot des DNK zurück. Wie Umfragen unter den Anwenderunternehmen ergeben, nehmen sie die Dienstleistungen des DNK vor allem wegen seines niedrigschwelligen Zugangs zum Thema in Anspruch. Der Anstoß zur internen Reflektion und Veränderung ist ein weiterer Nutzen des DNK – der auch unter Mitarbeitenden an Bedeutung gewinnt.
 
Transparent und vergleichbar
 
Der RNE hat den Transparenzstandard 2010 ins Leben gerufen. Die Idee dazu entstand im Zuge der Finanzkrise von 2008, die ihren Ursprung in der inadäquaten Bewertung von Kreditrisiken hatte. „Es war der perfekte Moment, um soziale und Umweltaspekte in den Kern der Analyse von Kredit- und Investitionsrisiken aufzunehmen“, erzählt Yvonne Zwick, die die Entstehung des DNK von Anfang an begleitet hat. Der Anstoß kam dabei aus der Bankenmetropole Frankfurt. „Die Finanzkrise hat gezeigt, dass der Blick allein auf Finanzkennzahlen zu eng ist. Die Governance und der gesamte Kapitalstock müssen mitbetrachtet werden, um einschätzen zu können, wie zukunftsfähig ein Investment ist“, so Zwick. Um dies abzubilden, bedarf es an Transparenz und Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsleistungen. Es stellte sich die Frage, wie das Management in der Praxis mehr Nachhaltigkeitsorientierung in den Kapitalmarkt bekommt.

Die Antwort folgte bald: Unter der wissenschaftlichen Begleitung von Dr. Bassen legte der Nachhaltigkeitsrat im Oktober 2011 den DNK vor. Entlang von 20 Kriterien bildet der DNK Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext ab. Mit dem DNK berichten Unternehmen zu Themen wie Klimaschutz, Einhaltung von Arbeitsrechten oder auch zu Zielen und Maßnahmen, die bereits entwickelt wurden.

Seitdem wird er stetig weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst. So fanden 2014, 2017 und 2020 wichtige Überarbeitungen statt, eine Datenbank und ein Gutachter*innen-Pool wurden aufgebaut, ein Schulungskonzept für Partner*innen etabliert und eine Reihe von Branchenleitfäden zum DNK veröffentlicht. Die RNE-Geschäftsstelle überprüft den Nachhaltigkeitskodex laufend auf Kohärenz mit weiteren Rahmenwerken der Berichterstattung und reagiert bei Bedarf auf aktuelle politische Entwicklungen.

„Auch künftig kann der DNK einen großen Mehrwert für Unternehmen bieten, indem er neue europäische Berichtsanforderungen bündelt und insbesondere auch für KMU leicht zugänglich macht. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung und Finanzierung der Transformation“, sagt Dr. Bassen und betont: „Die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen und die transparente Berichterstattung ist essenziell für eine zukunfts- und wettbewerbsfähige Positionierung.“

Modular und freiwillig anwendbar

Ein wichtiges Ziel des DNK ist, Nachhaltigkeit zu einem marktrelevanten Kriterium zu machen. Dass dies funktioniert, zeigt die wachsende Zahl der Anwenderunternehmen. „Der DNK ist eine Erfolgsgeschichte. Seit mehr als zehn Jahren begeben sich kleine und große Unternehmen mit dem DNK auf den Weg hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise“, zeigt sich Reiner Hoffmann, Vorsitzender des RNE, erfreut. „Das Besondere am DNK ist sein modularer Ansatz. Er ist sowohl freiwillig anwendbar, bietet gleichzeitig aber die Möglichkeit, Berichtspflichten zu erfüllen. Auch in Zukunft soll der DNK Unternehmen jeder Größe die Möglichkeit bieten, verschiedene Berichtspflichten in einem Format umsetzen zu können“, ergänzen Kopp und Harrlandt.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der Anwenderunternehmen vervielfacht. „Das ist ein deutliches Zeichen für den Unterstützungsbedarf, den der DNK bietet. In ganz Deutschland und darüber hinaus machen Unternehmen mit dem DNK sichtbar, welchen Beitrag sie zur Erreichung gemeinsamer Ziele wie den Sustainable Development Goals oder den Pariser Klimazielen leisten. Wir freuen uns, mit dem DNK weiterhin wichtige Impulse für die unternehmerische Verantwortung zu setzen“, so Hoffmann. 

Der Erfolg des DNK macht dabei nicht an Deutschlands Grenzen halt. Auch von internationalen Stakeholdern gibt es seit langem Interesse am DNK und den Erfahrungen des RNE in diesem Bereich. Als erste vollständige nationale Adaption existiert seit 2016 der Greek Sustainability Code der griechischen Nichtregierungsorganisation QualityNet Foundation. Seit 2014 liegt der DNK außerdem unter dem Titel "The Sustainability Code“ in englischer Sprache vor. Weitere Übersetzungen gibt es auf Arabisch, Chinesisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch und Rumänisch.

Der Bedarf an Unterstützung, den KMU bei ihrer Transformation haben, wird weiter stark zunehmen. "Der DNK hat sich bereits als Orientierungshilfe etabliert, das wollen wir beibehalten und möglichst ausbauen“, so Kopp und Harrlandt weiter. Der DNK wird also auch in den nächsten zehn Jahren und sicherlich auch darüber hinaus den Unternehmen dabei als Begleiter zur Verfügung stehen.