26.03.2013 | DNK-Meldung

Studie untersucht Erfolge und Bedarf zur Verbesserung

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex bietet einer signifikanten Zahl von Unternehmen Orientierung und Anerkennung, er findet bei Finanzdienstleistern aber nur unzureichend und zögernd Anwendung bei der Unternehmensbewertung am Kapitalmarkt.

Das hat eine Forschungsgruppe der Universität Hamburg unter Leitung von Professor Alexander Bassen im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) festgestellt. Sie analysierte die Umsetzung und Wirksamkeit des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Befragt wurden drei zentrale Zielgruppen des DNK: Unternehmen, Kapitalmarktakteure und Nichtregierungsorganisationen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hatte den Deutschen Nachhaltigkeitskodex im Oktober 2011 einstimmig beschlossen und zur freiwilligen Anwendung empfohlen. Der DNK zielt auf eine Anwendung am Kapitalmarkt und strebt eine grundlegende Neu-Orientierung der Wirtschaft auf eine nachhaltige Entwicklung an.

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex richtet sich an Unternehmen und bündelt deren Informationen über Nachhaltigkeitsleistungen in transparenter und vergleichbarer Form, der sogenannten Entsprechenserklärung. Die Öffentlichkeit und Finanzmarktakteure können damit beurteilen, wie Unternehmen Nachhaltigkeit im Kerngeschäft verankern.

Bislang haben 41 Unternehmen den Deutschen Nachhaltigkeitskodex unterzeichnet, darunter mittelständische Unternehmen, börsennotierte Unternehmen sowie Unternehmen mit Bundesbeteiligung:

Ergebnisse der Befragung

von 70 Unternehmen, 163 Kapitalmarktakteuren größtenteils des Mainstream-Kapitalmarktes und 35 Vertretern der Zivilgesellschaft (gesellschaftliche und gemeinnützige Organisationen):
 
  • Die Mehrheit der befragten Unternehmen (56%) stellt eine Erhöhung der Transparenz durch den Nachhaltigkeitskodex fest (Kapitalmarktakteure 25%, Zivilgesellschaft 20%) und dass das Thema Nachhaltigkeit allgemein vorangebracht wird (Unternehmen 72%; Kapitalmarktakteure 24%, Zivilgesellschaft 20%).
  • Für Kapitalmarktakteure liegt der Mehrwert des DNK vor allem im Signal der Glaub-würdigkeit. Für Analysten, die noch nicht über etablierte Auswertungssysteme zu ökologischen, sozialen und Governance-Fragen verfügen, stellt der DNK eine Orientierung dar.
  • Die Unternehmen und die Kapitalmarktakteure werten die Entsprechenserklärung als Signal, dass ein Unternehmen Treiber für das Thema Nachhaltigkeit sein möchte. Wichtigster Adressat für diese Botschaft aus Sicht der Unternehmen ist die Politik. Kapitalmarktakteure sowie die Zivilgesellschaft sprechen der Entsprechenserklärung die Bedeutung des Aktes der ‚political correctness’ zu.
  • Unternehmen und Kapitalmarktakteure kritisieren gleichermaßen, dass die Honorierung am Markt unklar ist und dass die Implementierung von den Stakeholdern nicht gefordert wird. Die Zivilgesellschaft bemängelt bei der Umsetzung des DNK die fehlende gesetzliche Verankerung sowie die daraus resultierende geringe Glaubwürdigkeit der Entsprechenserklärungen. Die Datenverfügbarkeit und -zuverlässigkeit der berichtenden Unternehmen ist aus Sicht aller drei Gruppen nicht immer gegeben.
  • Einig war sich die Mehrheit der Befragten darin, dass sich der Deutsche Nachhaltigkeitskodex vom Transparenzinstrument stärker in Richtung Performance-Standard entwickeln soll, der die Erfüllung der Kodexkriterien sicherstellt.
  • Kritisch ist die grundsätzliche Verbreitung der Nutzung des DNK bei Kapitalmarktakteuren zu sehen. Lediglich 5% der Befragten haben den DNK auf Unternehmensebene oder auf Ebene des Asset Managements implementiert.

„Diese Überprüfung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex auf seine Verbreitung und Wirksamkeit ist wichtig, um Erkenntnisse über notwendige Nachbesserungen zu gewinnen“, sagt Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung. „Der Nachhaltigkeitsrat wird weiter daran arbeiten, den Informationswert von Entsprechenserklärungen zu steigern und damit einen konkreten Mehrwert für Unternehmen und Investoren zu schaffen. Marktgängig wird das Instrument allerdings nur, wenn die Akteure selbst diese Informationen nachfragen und beginnen, damit zu arbeiten.“

Dazu gehöre auch, dass Unternehmen sowie die öffentliche Hand selbst Investitionen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten tätigen, um die nachhaltige Wirtschaft weiter zu entwickeln.
 

Weitere Informationen:

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