Den Nachhaltigkeitskodex zur Berichterstattung unternehmerischer Sorgfaltspflicht nutzen

Unternehmen können den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) nutzen, um über die Kernelemente unternehmerischer Sorgfaltspflichten des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) zu berichten.

Der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte:

  • wurde zur Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte 2016 von der Bundesregierung beschlossen
  • betrifft Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden
  • beinhaltet Kernelemente unternehmerischer Sorgfaltspflichten zur Achtung der Menschenrechte

Der DNK kann genutzt werden, um über die Kernelemente zu berichten. Das DNK-Büro prüft die Erklärung auf formale Vollständigkeit.

Mit dem Ziel, Unternehmen eine eindeutige Orientierung hinsichtlich der Berichterstattung im Sinne des NAP zu bieten, integriert der DNK die einzelnen Aspekte unternehmerischer Sorgfaltspflichten in das bereits bestehende Kriterium zu Menschenrechte (Kriterium 17). Um eine DNK-Erklärung inklusive NAP abzugeben, wählt das Unternehmen das gewünschte Anwendungslevel in der Datenbank aus. Das DNK-Büro prüft diese Informationen dann zusätzlich zu den Anforderungen des DNK auf formale Vollständigkeit.
 

 

Die Vereinten Nationen haben 2011 die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet. Es handelt sich dabei um den ersten internationalen Referenzrahmen zu diesem Thema. Die Bundesregierung hat sich 2013 mit dem Koalitionsvertrag zur Umsetzung der VN-Prinzipien bekannt und diese in 2016 veröffentlicht. Ziel ist, einen Prozess in den Unternehmen anzustoßen und dabei Politikkohärenz zu gewährleisten.

Die Bundesregierung erwartet, dass bis 2020 mindestens 50% aller Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in ihre Prozesse integriert haben und darüber berichten. Ziel ist, weltweit die menschenrechtliche Lage entlang von Liefer- und Wertschöpfungsketten zu verbessern.
So fordert es der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, den die Bundesregierung im Dezember 2016 beschlossen hat. Die Unternehmen werden zur Berichterstattung aufgefordert, um darzulegen, dass sie die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns auf die Menschenrechte kennen und diesen in geeigneter Weise begegnen.

Die Bundesregierung erwartet von allen Unternehmen die Einführung der Prozesse der unternehmerischen Sorgfalt mit Bezug auf die Achtung der Menschenrechte in einer ihrer Größe, Branche und Position in der Liefer- und Wertschöpfungskette angemessenen Weise. Eine entsprechende gesetzliche Pflicht zur Berichterstattung besteht nicht. Die Bundesregierung hat jedoch weitergehende Schritte bis hin zu gesetzlichen Maßnahmen angekündigt, sollten 50 Prozent der in Deutschland ansässigen Unternehmen mit über 500 Beschäftigten diese Prozesse bis 2020 nicht umsetzen. Maßgeblich ist die Ergebnistabelle aus dem statistischen Unternehmensregister des Statistischen Bundesamts in der Ausprägung „Unternehmen nach Wirtschaftsabschnitten mit 500 und mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“ (Stand 30.09.2017: 6.475 Unternehmen). Eine Überprüfung ist ab 2018 vorgesehen. Darüber hinaus ist im Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode von März 2018 festgehalten: „Falls die wirksame und umfassende Überprüfung des NAP zu dem Ergebnis kommt, dass die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreicht, werden wir national gesetzlich tätig und uns für eine EU-weite Regelung einsetzen.“
Der Nationale Aktionsplan beschreibt fünf Kernelemente zur Integration in die unternehmerische Geschäftstätigkeit
 
  1. Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte
  2. Verfahren zur Ermittlung tatsächlicher und potenziell nachteiliger Auswirkungen auf die Menschenrechte
  3. Maßnahmen zur Abwendung potenziell negativer Auswirkungen und Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen
  4. Berichterstattung
  5. Beschwerdemechanismus

 
Der DNK bietet die Möglichkeit, in der DNK-Datenbank über die Kernelemente zu berichten. Dafür wählt das Unternehmen das jeweilige Anwendungslevel unter „Allgemeine Informationen“ des Unternehmensprofils. Die einzelnen Elemente werden dann zusätzlich zu den DNK-Informationen in Kriterium 17 abgefragt. Auch Unternehmen, die nicht direkt in den Anwenderkreis des NAP fallen steht die Möglichkeit offen, ihre DNK-Erklärung freiwillig im Sinne der höheren Anforderung prüfen zu lassen. Dies kann sinnvoll sein, wenn Sie als Teil der Lieferkette gefordert sind, ihre Informationen in diesem Detailierungsgrad offenzulegen.
Zu berichten sind folgende Informationen:

 
Verfügt das Unternehmen über eine eigene Unternehmensrichtlinie?
Wenn ja:
  • Umfasst die Richtlinie die ILO-Kernarbeitsnormen?
  • Hat die Unternehmensleitung die Grundsatzerklärung verabschiedet? Wie kommuniziert das Unternehmen intern und extern darüber?
  • Auf welcher Ebene ist die Verantwortung für menschenrechtliche Belange verankert?
  • Welche Reichweite hat die Richtlinie (welche Standorte, auch Tochterunternehmen etc.)?
  • Analysiert das Unternehmen menschenrechtliche Risiken (in Geschäftsfeldern, durch Produkte und Dienstleistungen, an Standorten, politische Rahmenbedingungen)? Wenn ja, wie?
  • Werden besonders schutzbedürftige Personengruppen in die Risikobetrachtung mit einbezogen?
  • Wie hoch werden die menschenrechtlichen Risiken und die eigenen Einflussmöglichkeiten diesen zu begegnen eingeschätzt?
  • Wie werden menschenrechtliche Risiken in das Risikomanagement integriert?
  • Gibt es Schulungen der Mitarbeiter zu Menschenrechten?
  • Erfolgt eine Prüfung der Einhaltung von Menschenrechten? Wenn ja, wie wird geprüft?
  • Gibt es Beschwerdemechanismen und klare Zuständigkeiten im Unternehmen oder nutzen Sie externe Beschwerdeverfahren? Bitte beschreiben Sie diese und wie Sie deren Zugänglichkeit sicherstellen.
  • Gelten Whistle-Blowing-Mechanismen auch für Zulieferer?
  • Gibt es einen Verhaltenskodex für Lieferanten, der die vier ILO-Kernarbeitsnormen umfasst?
  • Erfolgt eine Prüfung der menschenrechtlichen Risiken vor Eingehen einer Geschäftspartnerschaft? Wenn ja, wie wird geprüft?
  • Werden Zulieferer zu Menschenrechten geschult?
  • Mit welchen Prozessen stellt das Unternehmen die Einhaltung von Menschenrechten bei Zulieferern sicher?
  • Ergreifen Sie (gemeinsam mit Zulieferern) Maßnahmen im Konfliktfall oder kooperieren Sie mit weiteren Akteuren? Wenn ja: welchen?
  • Welche Konzepte gibt es zur Wiedergutmachung? Gab es Fälle im Berichtszeitraum?
Das DNK-Büro prüft diese Punkte auf formelle Vollständigkeit, übernimmt jedoch keinerlei Haftung für die Qualität, Vollständigkeit, Aktualität und Korrektheit der in den DNK-Erklärungen enthaltenen Informationen. Die Verantwortung für die Richtigkeit und Qualität der Erklärungen liegen ausschließlich bei den Unternehmen.
Das DNK-Büro empfiehlt Anwendern, ausreichend Zeit für die Prüfungsphase einzukalkulieren.  In der Regel gibt das DNK-Team Anwendern innerhalb von zwei bis drei Wochen eine erste Rückmeldung. In der Regel durchlaufen Organisationen noch ein bis drei Feedbackschleifen, so dass die Erstellung bis zu sechs Wochen dauern kann.
Das DNK-Büro empfiehlt die Veröffentlichung der DNK-Erklärung auf der Unternehmens-Webseite. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, die Erklärung in den Nachhaltigkeits-, Geschäfts- und/oder in den Lagebericht aufzunehmen.

 
Den nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen finden Sie hier. Weitere Informationen

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Alle 20 DNK-Kriterien sowie Hinweise zur Anwendung und Prüfung können Sie hier einsehen.

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